„Beschneidungsgesetz“ überflüssig

Ein offenbar nicht von jedermann richtig verstandenes Urteil des Landgerichtes Köln hat die Politik alarmiert. Mehrere Bundestagsparteien wollen ein Gesetz auf den Weg bringen, das die religiös begründete Beschneidung von Jungen, nicht aber von Mädchen straffrei stellt. Ein solches Gesetz ist offensichtlich überflüssig. Denn in Deutschland ist seit immerhin 63 Jahren die Religionsfreiheit von Moslems und Juden gewährleistet, ohne daß es bislang einer solchen gesetzlichen Regelung bedurft hätte.

Erst vor wenigen Tagen sind Einzelheiten des in Köln entschiedenen Falls bekannt geworden, der die aktuelle Diskussion ausgelöst hat. Demnach mußte der vierjährige Junge, um den es ging, zwei Tage nach der Bescheidung in die Notaufnahme eines Krankenhauses eingeliefert werden. Der Eingriff hatte bei ihm Nachblutungen und erhebliche körperliche Beeinträchtigungen mit sich gebracht. Zu diesen Schäden wäre es nicht gekommen, wenn er nicht beschnitten worden wäre.

Die Repräsentanten der Religionsgemeinschaften, die die Beschneidung praktizieren, machen dafür u.a. hygienische Gründe geltend und betonen, der Schnitt in die Vorhaut eines Kindes oder eines jungen Mannes sei gesundheitlich unbedenklich. Das ist völlig in Ordnung. Die Beschneidung an sich steht in Deutschland nicht unter Strafe.

Aber die Art und Weise ihrer Durchführung darf nicht zur erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigung des Beschnittenen führen. Dafür haben die ausführenden Ärzte einzustehen – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Sollen jetzt etwa Ärzte, die pfuschen, aus religiösen Gründen straffrei gestellt werden? – Das kann ja wohl nicht wahr sein!

Also: Wir brauchen in Deutschland kein Beschneidungsgesetz. Die bestehende Gesetzeslage reicht völlig aus. Und unsere Politiker täten gut daran, gegenüber inländischen Repräsentanten von Moslems und Juden sowie gegenüber dem Ausland mit etwas mehr Selbstbewußtsein aufzutreten und zu erläutern, was das derzeit in der Diskussion stehende Kölner Landgerichtsurteil aussagt und was nicht!

Kategorie: DeutschlandNachrichten

Kommentare (6)

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  1. dirk sagt:

    Warum müssen überhaupt Beschneidungen sein? Um sich damit von andersgläubigen zu unterscheiden? Die Christen hacken sich doch kein Ohr ab um sich als Christen zu definieren?( Obwohl da auch viel schief läuft) Wie stand im GG geschrieben? Die Würde und so weiter….. Sowie die körperliche Unversertheit etc. Ein kleines Kind kann nicht selbst drüber entscheiden, ob es beschnitten werden will oder nicht. Wenn es 18 Jahre ist und es dann noch will, bitte schön. Für mich bleibt es eine Körperverletzung und das an Schutzbedürftigen. Doch man sieht wie schnell eine Entscheidung kippen kann, wenn sich Muslimische und Jüdische Gemeinden dazu äussern. Und der Zentralrat der Jüdischen Gemeinden, dass Urteil dazu nutzt, um einen Vergleich zum Holocoaust zu ziehen. Und das es der 2.schlimmste Vorgang seit Zeiten des Holocaust ist. Bitte die Synagoge im Dorf lassen.

  2. Automat sagt:

    Befremdlich all das, weil in Deutschland das so genannte “Kindeswohl”, über das der Staat die alleinige Interpretationshoheit hat und exclusiv bestimmt, sonst jederzeit über dem Elternrecht steht. Das auch dann, wenn es nicht um rituelle Klitoris – oder Vorhautbeschneidung unter Berufung auf Elternrecht und Religionsfreiheit, sondern schlicht um Sorge – und Umgangsrecht und den Besuch zu Kaffee und Kuchen bei der Oma geht, der das “Kindeswohl” beeinträchtigen oder zu irgendeinem “Einfluß” auf das Kind führen können soll und daher zu unterbleiben oder überwacht zu sein hat.

    Ungewöhnlich ist eine solche Argumentation mit dem “Kindeswohl” durchaus nicht, sie hat bei deutschen Behörden und Gerichten üblicherweise durchschlagenden Erfolg, resultierend aus einer seit vierzehn Jahren wirkenden Gesetzeslage, wonach bei ledigen getrennt lebenden Eltern regelmäßig Mütter das alleinige Sorgerecht haben, weil dies dem “Kindeswohl” grundsätzlich dienlicher sei.

    Es gibt Kinder, die Deutschland nicht verlassen dürfen, ihnen werden Ausweispapiere oder Pässe abgenommen und sie werden von Jugendamt und Polizei überwacht, um nicht zusammen mit ihren Eltern die afrikanischen Großeltern in Afrika besuchen zu können, weil es sein könnte, dass sie dort, den Beteuerungen aller Beteiligten entgegen, beschnitten werden. Das ist “Kindeswohl” in Deutschland.

    Andererseits ist von der deutschen Exekutive die Förderung der Entwicklung vom Stolz kleiner Mädchen auf ihre Geschlechtlichkeit durch ‘zärtliche Berührung’ ihrer ‘Scheide und vor allem Klitoris’ durch ‘Väter, Großmütter, Onkel und Kinderfrauen’ und ‘alle’, die sich ‘anregen lassen’ und ‘bitte alle angesprochen fühlen’ sollen, als dem “Kindeswohl” dienlich abgesegnet.

    Unter den Deutschen und ihrer Regierung machen sich offensichtlich beängstigende Störungen breit.

    Wenn dieses politische System und Rechtssystem auch nur irgendwie konsistent, konsequent, rechtssicher und berechenbar sein wollte, müßte die Exekutive, vertreten durch das Jugendamt, präventiv allen Eltern, die Anlass zu dem Verdacht geben, ihre Kinder ungefragt beschneiden lassen zu wollen, die Kinder wegnehmen und Pflegefamilien in Obhut geben.

  3. bording sagt:

    BSCHNEIDUNG IST EINE VERSTÜMMELUNG:

    ES WERDEN EINIGE QUADRATZENTIMETER VORHAUT ABGESCHNITEN; DIE DIE AUFGABE HAT DEN EMPFINDLICHEN TEIL DES PENIS; DIE “EICHEL”; ZU SCHÜTZEN:
    AUGENLIDER HABEN DIE GLEICHE FUNKTION, DEN SCHUTZ DER AUGEN…..

    WENN NUN EINE RELIGION DAHERKOMMT; DIE AUGENLIDER ABZUSCHNEIDEN; DAMIT DER MENSCH NICHT ÜBERSEHEN KANN; WENN DER GOTT ZU IHM KOMMT? GELTEN DA RELIGIÖSE GRÜNDE???

    ZU ABRAHAMS ZEITEN HAT MAN JA AUCH NOCH KINDER DEM GOTT GEOPFERT; SIE UMGEBRACHT; BRÄUCHE AUS DIESER ZEIT HABEN BEI UNS KEINEN PLATZ…

    FALSCH VERSTANDENE RELIGIÖSITÄT IST KEIN ARGUMENT; KINDER ZU VERSTÜMMELN….

  4. Hugo Rune sagt:

    Was ist denn nun wichtiger? Kindeswohl oder ein verstümmelnder religiöser Aberglauben, der als jahrtausende alte Tradition verbrämt wird?
    In der Tat bedarf es keiner neuen Gesetze, sondern nur der Durchsetzung bestehender Gesetze.
    Dazu ist das aktuelle D. aber zu feige und unter Pro-Deutschland würde es nicht besser werden. Oder?

  5. Martin Brandt sagt:

    Nein, Huge, alter Fetischist von Buchstabenvorfahren, auch pro würde daran mitwirken, das GG hochzuhalten..
    Und: gibt es nicht andere Fragen? Und: was haben alle Kritiker der Beschneidung bisher gemacht, um DAS zu behindern? Na, nix, und Mittwochs bei unseren Besprechungen hab´ich auch Niemanden gehört: ” Laß´uns mal über Beschneidungenreden und was wir dagegen tun könnten…

    Im Übrigen:
    Mitten in der Debatte um die Beschneidung legte der deutsche Postdienst eine Briefmarke aus Anlass des 200 jährigen Bestehens der Stuttgarter Bibelgesellschaft auf. Abgebildet ist eine aufgeschlagene Lutherbibel. Wie der “Zufall”* so will, zeigt die Marke, die am 11. September (dem Jahrestag des Terroranschlags in New York) auf den Markt gelangen wird, eine Passage aus NT, Lukas, 2:21: «Am achten Tag, als es Zeit war ihn zu beschneiden, wurde er Jesus genannt.»Die Bibelgesellschaft erklärte: «Kein Zusammenhang zwischen Zeitpunkt der Ausgabe der Marke und der aktuellen Debatte.»
    * Zufall ist die Unkenntnis über die Ursache.
    Und das ist ja nun nicht archaisch, das ist Geburt der kleinen Kloppertruppe zum Aufbau der GmbH & Co KG mit Namen “Auf nach Rom e.V. “

  6. Martin Brandt sagt:

    @Hugo Rune

    Ich nehm´alles zurück: mein Fehler, ist mir jetzt aber klar: Du bist “Hugo Artemis Solon Saturnicus Reginald Arthur Rune”, geil. Ich bin ja eher ein Alan Dean Foster-Fan, oder auch mal ´ne Prise John Ringo und quäle mich jetzt mit Banks “Blicke windwärts”.
    Aber Rankin ist natürlich schon ´was besonders Feines.
    danke, hat mir gezeigt: Hinter die Fassade schauen!!!!
    FG