Sarrazin legt nach

Der umstrittene Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin (SPD) hat seine Äußerungen über Hartz-IV-Empfänger und der Integration von Zuwanderern in einem Gespräch mit dem ZEIT MAGAZIN gerechtfertigt. Seine mitteleuropäische Herkunft präge sein Schönheits- und Werteideal: „Deshalb finde ich keinen Gefallen an einer gesellschaftlich-religiösen Norm wie dem Verhüllen von Frauen“, sagte der 65-jährige. Die Veranschaulichung mit Wortbildern rechtfertigte Sarrazin als notwendigen Bestandteil seiner Formulierungen: „Es braucht die Verbindung von Analyse und plötzlich in einem Wortbild aufschneiden starken Gefühl.“

Dabei kritisierte Sarrazin auch die Unterschicht. Er sei wenig erfreut über Menschen, die gesund und arbeitsfähig sind, aber vom Staat leben, „insbesondere dann, wenn deren wahres Motiv für Kinderreichtum in staatlichen Transferleistungen zu suchen ist.“

In seinem stark kritisierten Interview mit dem intellektuellen Magazin „Lettre International“ hatte Sarrazin festgestellt, dass rund 40 Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden. Dabei macht die Unterschicht in der Bevölkerungsstruktur nur rund 20 Prozent aus.

In öffentlichen Debatten habe er immer die „verbale Artillerie“ aufgestellt und diese „kräftig ballern“ lassen. Allerdings mache er keine verbale Brandseite, sondern habe „eine präzise Wortwahl, die die Dinge auf den Punkt bringt“.

Kategorie: DeutschlandNachrichten

Kommentare (10)

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  1. Martin Hoffmann sagt:

    Möge uns Herr Sarrazin noch lange, lange erhalten bleiben.
    Mit allen bisherigen Äußerungen hat er Probleme klar und unangreifbar aufgezeigt.
    Und was mich besonders freut ist die Tatsache, dass Gutmenschen und Politiker aus einer ganz bestimmten Ecke nicht den Mumm haben, eine Konfrontation auf dieser hierarchischen Ebene auszutragen; d.h. mit schwerstem Geschütz auf vermeintlich Schwächere loszugehen.
    Dieses ist nach meiner festen Überzeugung beispielsweise der “umstrittenen Jugendrichterin” , Frau Heise widerfahren.

  2. Andreas sagt:

    Es ist gut, wenn er die Wahrheit anspricht, aber in seiner jetzigen Position wird er politisch nicht viel bewegen können. Er sollte eine Partei gründen. Ich bin Berliner und würde sofort beitreten auch wenn ich der “Unterschicht” (das Wort gefällt mir jetzt nicht) angehöre und mit Trainingshosen herumlaufe.

  3. Besser: Er tritt pro Deutschland bei uns kandidiert für uns als Spitzenkandidat bei den Wahlen im kommenden Jahr.

  4. Andreas sagt:

    @Herr Rouhs

    Noch besser wäre, ich wäre der Spitzenkandidat ;-) . Ich hab sogar ein paar Anzüge und Krawatten in meinem Kleiderschrank.

    Vielleicht trete ich ihrer Partei bei. Allerdings nur, wenn meine Mitgliedschaft kostenlos ist ;-) . Weil ich bin arm. Dafür helfe ich auch weiter die Bürger über Ihr Grundsatzprogramm zu informieren. Aber sagen Sie mal, warum muss man eigentlich ein Foto mitschicken, wenn man bei Ihnen Mitglied werden will? Ich find das etwas umständlich. Solche Hürden sollten Sie wirklich nicht einbauen, finde ich.

  5. @Andreas

    Auf das Foto verzichten wir notfalls. Aber ein einziger Euro monatlicher Mitgliedsbeitrag muß sein (= 12 Euro jährlich). Der Betrag ist wahrlich niedrig genug.

  6. Andreas sagt:

    @Herr Rouhs

    Einverstanden, aber nur wenn ich in den Vorstand aufgenommen werde ;-) . Kleiner Scherz.

    Schaun wir mal.

  7. Peter Müller sagt:

    Seine momentanen Ansichten zu “Berliner Themen” entsprechen auch meiner Meinung.

    Leider hatte er in seiner “Politisch aktiven Zeit” in Berlin die falsche Parteizugehörigkeit.

  8. Steffen sagt:

    Die Feststellungen mögen formal korrekt sein, aber es ist der vollkommen falsche Ansatz. Schon vor 100 Jahren und unter ganz anderen Verhältnissen war es auch die “Unterschicht”, die prozentual am kinderreichsten war. Denn auch schon damals verzichtete die Mittel- und Oberschicht (nur den Adel nehme ich mal aus) aus Karrieregründen, aus eigener Bequemlichkeit, wegen der Erhaltung des eigenen Wohlstandes und auch, um mehr Geld für die Ausbildung der wenigen Sprößlinge zu haben, auf mehr Kinder. Auch damals hat man in diesen Kreisen oft auf die Kinder der “Unterschicht” hinabgeblickt. Aber im Krieg und in Aufbauzeiten – da war die Gesellschaft dann plötzlich wieder froh, ein nicht geringes Fundament aus einfachen Arbeiter- und Bauernfamilien zu besitzen. Denn irgendjemand mußte ja gerade für die Dreckarbeit zur Verfügung stehen.

    Seitdem ist die Gesellschaft insgesamt noch viel kinderfeindlicher geworden, als es damals der Fall war. Kinder werden heute in erster Linie als Last wahrgenommen. Vielen wird das Gefühl gegeben, nichts wert zu sein, ebenso wie ihren Eltern, von denen viele ja auch nicht aus Spaß arbeitslos sind. Um an diesen Mißständen etwas zu ändern, dazu trägt S. mit seinen Sprüchen aber nichts bei. Gar nichts, ganz im Gegenteil. Der Fisch stinkt woanders.

  9. Norbert sagt:

    Ich finde Thilo Sarrazin irgendwie ziemlich kautzig, aber seine Ausführungen sind durch das Recht auf freie Meinungsäußerung allemal abgedeckt. Dieses Recht sollte für jeden im Sinne Voltairs verteidigt werden:
    Nachher ist das Geschrei nämlich groß, wenn dieses hohe Rechtsgut bei einem selbst dann mal zur Dispositon stehen sollte (was ich absolut nicht wünsche, aber es gibt da ja auch noch andere, wo man sie evt. gar nicht vermuten würde …)

    “Es braucht die Verbindung von Analyse und plötzlich in einem Wortbild aufschneiden starken Gefühl.“

    Ist der Satz in dieser Form tatsächlich so richtig wiedergegeben? Finde beim googeln nichts auch nur Angenähertes.

  10. Kreuzritter sagt:

    Sarrazin sollte Bundeskanzler werden, aber nur wenn er vorher in eine andere Partei wechselt. z.B. in pro Deutschland.

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