Bürgermeister Müllers Phobie

16. September 2016
mueller-berlin

Ein unter Gutmenschen besonders angesagtes Lexem, die –phobie, die Eingang in ihre Wortschöpfungen wie „Homophobie“, „Xenophobie“ und „Islamophobie“ gefunden hat, lässt sich problemlos auf Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) übertragen, der mit einem Gastkommentar in der „Taz“ am 15. September eine gehörige Portion Patriotophobie offenbarte. Und dies ist buchstäblich gemeint: Krankhafte Angst vor Patrioten. Der 51-jährige Regierende Bürgermeister beschreibt ein Szenario, als könnte am Abend des 18. September aufgrund rechter Wahlerfolge gleich nach der Abgeordnetenhauswahl in Berlin die Reichshauptstadt ausgerufen werden inklusive „Führer“ und Fackelzug durch das Brandenburger Tor. Müllers überbordende Phantasie kann nur noch als reine Panikmache bewertet werden.

Wörtlich heißt es im Pamphlet des Wowereit-Amtsnachfolgers: „Natürlich kann ich verstehen, dass man an jeder Partei irgendetwas auszusetzen hat. Aber eines kann ich nicht verstehen: Rechts zu wählen, angesichts der offensichtlichen unsozialen und unmenschlichen Politik dieser Parteien.“ Im Klartext heißt dies: Müller und seine selbstgerechte SPD dürfen mit der SED-Fortsetzungspartei „Die Linke“ eine Koalition zur Bildung des nächsten Senatskabinetts anstreben, aber eine von der politischen Klasse als „rechts“ gebrandmarkte Partei zu wählen, soll moralisch weitaus schlimmer sein als das Berauben von Omas und Tierquälerei zusammen. O heilige Müller’sche Einfalt!

„Wenn ich mir des Regierenden Bürgermeisters seichtes Gerede von ‚Toleranz‘, ‚Weltoffenheit‘ und ‚Vielfalt‘, die mit Zähnen und Klauen verteidigt gehörten, durch den Kopf gehen lasse, muss ich mich ernsthaft fragen, ob wir es hier mit einem seriösen Politiker zu tun haben“, verleiht der pro-Deutschland-Landesvorsitzende und -Kandidat der Berliner Abgeordnetenhauswahl, Günter Czichon, seinem Befremden Ausdruck.

„Den Altparteien-Funktionären wie Michael Müller ist es nachvollziehbar unangenehm, wenn wir Patrioten ihnen den Spiegel vorhalten, sodass für jedermann sichtbar wird, mit was für Deutschland-Abschaffern wir es hier zu tun haben. Doch auf die persönlichen Befindlichkeiten dieser Leute können wir keine Rücksicht nehmen. Gerierte sich Müllers Genosse und Amtsvorgänger Klaus Wowereit in seiner aktiven Zeit bisweilen ähnlich peinlich, so besaß er jedoch nicht zu leugnende Qualitäten als spaßiger Paradiesvogel. Dagegen erscheint Müller eher als eine Art ‚Wowi für Arme‘. Und damit sich Berlin endlich aus dem Würgegriff humorloser Apparatschiks mit irrationalen Aussetzern befreien kann, heißt es am Sonntag: Liste 9 wählen – pro Deutschland!“

Nico Ernst